Auf dem Weg zur Arbeit vertief ich mich ja immer in den Focus, den Spiegel oder Stern. Heute habe ich eine Story gelesen, an der ich Euch einfach teilhaben lassen möchte.

Es geht um eine Kindesentführung in Dresden. Das Ganze hat im Dezember 1984 stattgefunden: Ein junges Päarchen stellt den Kinderwagen mit seinem Baby vor dem Kaufhaus ab. Ironischer Weise schließt der Vater noch die beiden Kinderwagenräder zusammen. Das muß man sich mal vorstellen, was die damals für ein Sicherheitsgefühl hatten. Ich würde heutzutage nicht einmal einen leeren Kinderwagen vorm Kaufhaus stehen lassen. Vor allem verstehe ich den Sinn nicht, die Räder zusammenzuschließen? Das wäre ja als würde man in der Bank Steine auf Geldscheine legen, damit sie keiner klaut?!

Ok, damals war das auf jeden Fall sicher, aber nicht sicher genug wie sich eine halbe Stunde später herausstellte, denn da war der Wagen leer. Sicherlich haben die zusammengeschlossenen Räder den Dieb davon abgehalten auch den Wagen mitzunehmen. Neben dem leeren Wagen standen nebenbei gesagt noch weitere Kinderwagen, in denen die Babys noch drin waren. Man könnte jetzt meine: Hoho, da war wohl Väterchen Zufall am Werk, wer erinnert sich nicht an die Geschichte der Eltern, die damals (ich weiß nicht mehr wann) unter Tränen in die Kamera flehten, Entführer mögen ihr Baby zurückbringen und wie sich später herausstellte, war es zu diesem Zeitpunkt schon lange tot, gestorben durch die Hände der eigenen Eltern.

Ok, aber in diesem Fall können wir davon ausgehen, dass die Eltern nichts mit dem Verschwinden ihres Babys zu tun hatten. Es wurde dann wie verrückt gesucht und wenig später tauchte ein Baby in einem Hausflur abgestellt auf. Haa, der kleine Junge ist zurück, aber er hatte am Körper Narben von Infusionen die in der DDR nicht üblich waren. Außerirdrische sind hier ebenfalls auszuschließen. Das gefundene Baby reagierte auch nicht wenn man ihn ansprach, was aber daran lag, dass er kein Deutsch verstand, erst mit Russisch konnte man ihm Reaktionen entlocken.Es war also nicht der verschwundene Junge, aber wieder schien Väterchen Zufall am Werk gewesen zu sein: Ein Kind verschwindet, ein anderes taucht auf.

Um das Ganze jetzt abzukürzen. Man ging davon aus, daß der Junge einfach gegen das vermißte Kind ausgetauscht wurde. Involviert sollte das Russische Militär sein. – Natürlich war das undenkbar in der damaligen Zeit, die Untersuchungen blieben stecken und erst als die Familie 2001 das Kind (von 1984) als vermißt meldete wurde der Fall neu aufgenommen. Mittlerweile wurde der mit der Entführung in Verbindung gebrachte Russe verhört, es sollen Ende Februar (diesen Jahres) auch zu Ergebnissen gekommen sein, habe aber dazu nichts im Internet gefunden.

Was haben wir daraus gelernt? Eigentlich nichts, denn wer würde schon auf die Idee kommen, seinen Kinderwagen mit Kind vor einem Kaufhaus abzustellen?

Nachtrag 20. Oktober 2006:
Interview mit den Eltern von Felix Tschök (Teil 1)

Nachtrag 23. Oktober 2006:
Interview mit den Eltern von Felix Tschök (Teil 2)

Nachtrag 26. Oktober 2006:
Interview mit den Eltern von Felix Tschök (Teil 3)