Ich gebe zu, die Überschrift erinnert etwas an reißerische Titel im Stile einer großen deutschen Tageszeitung. Aber sie bringt es auf den Punkt. Da ich regelmäßig den Polizeiticker verfolge und natürlich auch die Nachrichten nicht an mir vorbei gehen, ist mir leider die traurige Tendenz aufgefallen, die es in Berlin zurzeit zu beklagen gibt.

Denn fast täglich gibt es Übergriffe auf Bus- und Straßenbahnfahrer, die eigentlich nur ihrem Job nachkommen wollen. Doch warum ist es so auffällig und extrem geworden? In der Regel sind Jugendliche die Täter oder auch alkoholisierte Fahrgäste, die sich nicht an die Regeln halten. Sie sind einfach nicht in der Lage, sozial mit anderen Mitmenschen umzugehen. Traurig aber wahr. Wo ist das Problem, seinen Fahrschein vorzuzeigen, wenn der Fahrer dies verlangt? Im Übrigen gilt in Berlin eh die ganztätige Vorzeigepflicht der Tickets im Bus beim Einsteigen. Warum fehlt der Respekt gegenüber den Busfahrern? Warum ist die Hemmschwelle für körperliche Angriffe so niedrig? Hat der Streik von Anfang 2008 damit zu tun? Damals gab es viele Übergriffe auf BVG-Angestellte, als der Streik vorbei war. Einige Berliner wollten quasi ihren Frust über den mehrwöchigen Ausfall der Verkehrsmittel an den Fahrern ablassen. Aber die heutigen Übergriffe dürften damit nichts zu tun haben. Aus dem Bekanntenkreis weiß ich, dass es als „gefährlich“ eingestufte Linien in Berlin gibt. Eine Linie mit vielen Übergriffen auf Fahrer ist der Metrobus M29.

Ich finde diesen Trend sehr erschreckend. Und so hat sich nun auch das Abgeordnetenhaus von Berlin mit den Vorfällen beschäftigt. Es sollte nach Gründen gesucht werden, warum immer und immer wieder Übrgeiffe auf Busse und Bahnen stattfinden. Die BVG nimmt ihre Mitarbeiter logischerweise und auch gerechter Weise in Schutz und urteilt, dass diese sich immer richtig verhalten habe. Und so kam auch für mich ehrlich gesagt völlig überraschen das vernichtende Urteil des SPD-Abgeordnete Thomas Kleineidam: Er behauptet doch glatt, dass eine Vielzahl der Übergriffe auf Provokationen der Fahrer beruhen. Was für ein Schlag ins Gesicht der Fahrer und ihrer täglichen Arbeit.

Beispiele aus dem Polizeiticker der letzten zwei Wochen:

  • 14.11.08 Zwei Brüder (15+18) griffen Busfahrer an – Sie sind hinten eingestiegen und wollten ihr Ticket auf Aufforderung nicht zeigen.
  • 11.11.08 Busfahrer bespuckt und beleidigt.
  • 11.11.08 Faustschlag gegen Tramfahrer, Täter blockierte Tür und reagierte mit Gewalt, als er aufgefordert wurde dies zu unterlassen.
  • 10.11.08 Straßenbahn bewofen – Seitenscheibe des Fahrerhäuschen ging zu Bruch
  • 09.11.08 Fausthieb gegen Busfahrer – Täter hatte keinen gültigen Fahrschein, ein Streitgespräch endetet mit einem Faustschlag gegen den Fahrer
  • 07.11.08 Busfahrerin von einer Gruppe Jugendlicher mit Laserpointern geblendet, Täter traten und spuckten gegen den Bus
  • 06.11.08 Busfahrer bespuckt, 19jähriger Fahrgast hatte keinen gültigen Fahrausweis und lehnte den Kauf eines Tickets ab
  • 06.11.08 Bus von drei Jugendlichen besprüht
  • 03.11.08 Fausthieb gegen Tramfahrer, 15jähriger klappte grundlos den Seitenspiegel der Tram ein, Als der Fahrer ihn zur Rede stellte, schlug dieser zu. Täter bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten
  • 02.11.08 Zwei Jugendliche warfen Steine von einer Brücke auf Züge der U-Bahnlinie 5
  • 31.10.08 Busfahrer mit Eiern beworfen

Ich erinnere mich noch gut an einen weiteren Vorfall vor ein paar Wochen, als einem Busfahrer das Ohr gespalten wurde.

Da ich auch viel mit Bus, Straßenbahn oder U-Bahn unterwegs bin, kann ich durchaus anmerken, dass sich vor allem junge Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln einfach nicht benehmen können. Klar, in einer Gruppe will man natürlich „cool“ wirken. Aber dennoch kann man sich durchaus gesittet werhalten. Nothammer haben an ihrem Platz zu bleiben, Haltestangen sollte nicht als Sportgerät genutzt werden und Bierflaschen kann man beim Aussteigen ruhig mitnehmen.

Was mir in diesem Zusammenhang durch den Kopf gegangen ist, ist die Frage, was ich tun würde, wenn ich in eine solche kritische Situation kommen sollte und „mein“ Fahrer angegriffen werden würde? Klar, im ersten Moment würde ich immer sagen, dass ich einschreiten würde, aber das könnte sich ändern, wenn ich wirklich mal in einer solchen Situation bin. Ich kann es nicht zu 100 Prozent sagen. Wie geht es euch bei dem Gedanken? Fühlt ihr euch sicher in den Berliner Verkehrsmitteln oder in denen eurer Stadt? Ich freu mich auf Kommentare von euch, vielleicht habt ihr ja schon einmal eine positive oder negative Begegnung dieser Art gehabt…

Update 19.11.2008:
Nachdem am letzten Wochenende gleich vier (!) Vorfälle zu beklagen waren, haben nun der Berliner Senat und die BVG reagiert. Die Fahrer werden schützende Seitenscheiben erhalten, es wird zusätzliches SIcherheitspersonal eingestellt und bekannte Brennpunkte werden mit (weiteren) Videokameras ausgestattet. Allerdings lassen sich gerade die Änderungen an den Bussen nicht so zeitnah realisieren – aber ich finde, dass ist endlich mal eine kleine Maßnahme für die Fahrer und Fahrerinnen.