Es war Sonntag, der 26. Oktober 2008. Die neue O2-World in Berlin erwartet tausende von Leuten, die nur eins sehen wollten: Das Topspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zwischen dem amtierenden deutschen Meister Eisbären Berlin und den Krefeld Pinguinen. Dank einer tollen Aktion zwischen den Eisbären und dem Discounter Lidl gab es jede Menge Tickets zum wirklichen Schnäppchenpreis von 10 Euro. Und so sammelte sich die gewohnte Truppe mit Dirk, Markus und seiner Mutter, Simone mit Schwester und Papa, meinem Kumpel René und Begleitung und natürlich mit mir, um das Spiel zur ungewöhnlichen Mittagszeit zu sehen.

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Lidl-Gutschein für ein Eisbären Ticket

Als ich von der S-Bahn Warschauer Str. zur neuen Mehrzweckhalle gelaufen bin, begleiteten mich schon ganz viele Eisbärenfans in ihren Fanausrüstungen, die von Trikots über Schals bis hin zu Fahnen reichten. Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich noch Restkarten benötigen würde. Unsere Vermutung: Die Leute haben sich mit Lidl-Ticket eingedeckt, um diese dann teuer zu verkaufen.

Eisbären Berlin vs. Krefeld Pinguine, 26.08.2008, O2-World Berlin
Jede Menge Lichteffekte vor dem Spiel

Dirk hatte unsere Karten organisiert und löste unsere Lidl-Gutscheine rechtzeitig an der Kasse ein. Wir hatten Karten direkt im Fanblock, was dafür sorgte, dass die Stimmung, die wir erlebten, richtig gut war. 14200 Zuschauer waren offiziell da – ausverkauft wie bisher alle Heimspiele der Eisbären in der neuen O2-World.

Vor dem Spiel viel Show: Der Videowürfel wurde immer mit ins Geschehen integriert. Vor dem Spiel ein Pyro-Spektakel zur Vorstellung der Eisbärenspieler. Echt beeindruckend, genauso wie das, was bei keinem Eisbärenspiel fehlen darf: Das berühmte Hey, wir woll’n die Eisbären sehn!von den Puhdys, alle sangen mit. Während die Spieler vorgestellt wurden, wurde jeder Spieler auf dem Videowürfel und der Laufschrift rum um die Halle (eine sehr schöne Erfindung!) eingeblendet, so dass jeder Fan die Namen mitbrüllen konnte. Die Alba Berlin-Dauerkartenbesitzer unserer Truppe fanden das spektakulärer als bei den Basketballspielen, weil es da nicht so ist.

Eisbären Berlin vs. Krefeld Pinguine, 26.08.2008, O2-World Berlin
Der Einlauf der Eisbären-Spieler – unter dem großen Eisbär hindurch

Dann ging es los: 3x 20 Minuten mit jeweils 15 Minuten Pause zwischendurch. Die Eisbären begannen engagiert und die Fans sorgten mit ihren ohrenbetäubenden Schlachtrufen für Stimmung und feuerten ihr Team an. Die Abschluss-Schwäche der Eisbären Berlin wurde leider sehr schnell deutlich. Selbst das sonst so konsequente Powerplayspiel war lasch und eher enttäuschend. Aus vielen guten Schusspositionen machten die Eisbären zu wenig, trafen oftmals den Puck nicht richtig. Und so kam es leider wie es kommen musste: Die Krefelder schlugen kurz vor der 1. Drittelpause zu – 0:1 durch ein Treffer im Powerplay.

Eisbären Berlin vs. Krefeld Pinguine, 26.08.2008, O2-World Berlin
Fans verfolgen gespannt das Spiel – können die Eisbären gewinnen?

Die Sicht auf das Spiel war einfach immer toll. Man hat alles gesehen und man konnte auch nix verpassen, denn auf dem Videowürfel wurde das Spiel auch gezeigt mit allen wichtigen Highlights. Als wir vor zwei Jahren bereits einmal bei den Eisbären waren (damals noch im von den Fans so geliebten und sehnlich vermissten Wellblechpalast in Hohenschönhausen), war es im Vergleich zur O2-World nicht so schön. Viel enger und viel mehr Gedränge.

Im zweiten Drittel ein ähnliches Bild: Die Eisbären rannten dem Rückstand hinterher, hatten immer wieder gute Gelegenheiten, trafen aber das Tor nicht. Krefeld tauchte nur selten vor dem Berliner Tor auf, aber sie spielten effektiver und so fiel dann auch das 0:2. Kurz zuvor sahen viele Eisbärenfans den Puck schon im Tor, aber es war kein Treffer. Da mussten jetzt die Fans ran. Und sie feuerten ihr Team an. „Siegen und Kämpfen“ riefen alle gemeinsam. Jedoch blieb es bis zum Ende des 2. Drittels bei dem Spielstand. Ob die Eisbären das Spiel noch drehen könnten?

Eisbären Berlin vs. Krefeld Pinguine, 26.08.2008, O2-World Berlin
Es gibt Bully – die Schiedrichter (Mitte links) beraten noch über eine Strafzeit

Gleich zu Beginn des Schlussdrittels keimte Hoffnung auf, denn die Berliner kamen mit ihrem ersten Angriff zum Anschlusstreffer – Jubelstürme weit und breit „Ach du meine Nase“ hallte aus den Lautsprechern – den Worten von Pittiplatsch folgte das „Eene meene Miste, es rappelt in der Kiste“ – das gewohnte Ritual bei Treffern der Eisbären. Somit sah es gut aus, denn noch waren 19 Minuten zu spielen. Die Eisbären waren engagiert, konnten aber ihre Chancen nicht in Tore umsetzen. Und so kam es wie üblich beim Eishockey, 3 Minuten vor Schluss (vielleicht doch etwas zu früh?!) ging Keeper Zepp vom Feld und ein weiterer Feldspieler kam hinzu. Doch es reichte nicht, die Krefelder kamen in Puckbesitz und netzen in das leer stehende Tor ein – die 1:3-Niederlage im Topspiel war leider perfekt. Aus neutraler Sicht leider eine verdiente Niederlage für die Eisbären, die damit ihr erstes Heimspiel in der aktuellen Saison verloren hatten. Enttäuschte Fans machten sich auf den Heimweg. Und so sah man eine lange Schlange von Eisbärenfans Richtung Parkplatz und Fans „pilgern“.

Es war wie immer beim Eisbärenspiel – viele Schlachtrufe, in denen man den Verein als Ostverein erkannte. Bei mutmaßlichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter war von einigen Fans immer wieder zu hören, dass es nur daran legen, weil „wir“ ein Ostverein sind.

Eisbären Berlin vs. Krefeld Pinguine, 26.08.2008, O2-World Berlin
Das Daumendrücken der Fans hat nicht geholfen – 1:3 verloren :o(

Als neutraler Zuschauer war es eine erlebnisreiche Veranstaltung. Durch die O2-World wirkt alles noch viel mehr amerikanisiert. Wirklich so, wie ich es aus dem Computerspiel NHL Hockey kenne. Ist ja auch nicht verwunderlich, denn der Betreiber der Halle (Anschutz Entertainment Group) kommt ja aus Amerika und ist an den Eisbären Berlin beteiligt.

Leider haben die Eisbären kein Glück, wenn wir dabei sind. Damals 2:4 gegen Köln, jetzt 1:3 gegen Krefeld.