Echt kurios, aber wahr – ein Thema, was zurzeit durch die Medien geht und auch im Bekanntenkreis aktuell ist. Stellt euch vor, ihr seid in der 10. Klasse und habt nur noch die Prüfungen zu bestehen, dann ist die Schule quasi aus für euch. Ihr büffelt und paukt bis euer Kopf qualmt. Und dann kommt der Tag, an dem die Matheprüfung dran ist. Ihr arbeitet euch durch die Prüfungsaufgaben und am Ende seid ihr froh, dass ihr es hinter euch habt. Von Erleichterung gekennzeichnet wollt ihr nun nur noch entspannen oder vielleicht auch schon feiern. Doch dann passiert es…

Ihr bekommt am Nachmittag die Information, dass die Matheprüfung wiederholt werden muss. Das ist ein echter Schock. So geschehen dieser Tage in Berlin – 28 000 Zenhtklässler sind betroffen und werden nun am 23. Juni die Matheprüfung wiederholen müssen.

Hintergrund: Die Prüfungsaufgaben sind laut Medienberichten bereits anscheinend bereits seit einer Woche vor der eigentlichen Prüfung auf den Schulhöfen verkauft worden und so an mindestens 15 Berliner Schulen gelangt. Unvorstellbar – nur wer hat die Infos ans Tageslicht gebracht, sind die Aufgaben doch in versiegelten Umschlägen bis zur Prüfung unter Verschluss gehalten?!

Die gemeinsame Prüfung zum Mittleren Bildungsabschluss gibt es erst seit kurzem in Berlin. Das Ausmaß des Betrugs muss enorm sein und so hat der Bildungssenat unverzüglich Anzeige gegen unbekannt erstattet. Die Staatsanwaltschaft Berlin, die Berliner Verwaltung und die Kriminalpolizei haben die Ermittlungen aufgenommen.

Ehrliche Schüler protestieren: Die „Dummen“ sind mal wieder die ehrlichen Schüler. Und daher haben sich die Schüler zusammengeschlossen und eine Protestaktion gestartet. Sie wollen nicht „für die Fehler der Senats bestraft werden“ (Zitat der Initiative) und erneut dem Prüfungsstreß ausgesetzt werden. Der Landeselternausschuß unterstützt diese Aktion. Am Montag um 11 Uhr haben die Initiatoren zu einer Kundgebung vor dem Roten Rathaus aufgerufen. Der Landeselternausschuß prüft auch, ob eine Prüfungswiederholung überhaupt rechmäßig wäre.

In der Berliner Morgenpost ist zu lesen, dass die Aufgaben, jedoch nicht die Lösungen, bereits zwei Wochen vor der Prüfung für 10-15 Euro angeboten wurden. Auch in Internetforen sind diese dann abrufbar gewesen.

Wirklich eine unglaubliche Angelegenheit. Es kann doch eigentlcih nur ein Lehrer sein, der die Aufgaben herausgegeben hat. Was ich mich seit der Meldung persönlich frage ist, was mit dem oder den Übeltäter passiert. Wird den Schülern der Schulabschluß verweigert, den entsprechenden Lehrern Berufsverbot o.ä. erteilt und inwiefern ist das welche Straftat? Davon ist nirgens zu lesen.

Zu meiner Zeit (1999) wurden die Endarbeiten (es war Abitur) noch nicht zentral geschrieben. So hatte der Lehrer zwei Themen eingereicht und bekam einen versiegelten Umschlag am morgen der Prüfung überreicht. Naja – diese ewigen Ungleichheiten von Bundesland zu Bundesland sind ja eh Grund genug zum Aufregen. Verschiedene Schultypen, verschiedene Anzahl an Schuljahren im Abi – und das innerhalb eines gemeinsamen Landes. Wie hat mir ein Bekannter zu dem Thema erzählt? In der ehem. DDR wurden im gesamten Land zentral die Arbeiten geschrieben. Das System wurde von Kanada und Finnland übernommen und die Pisa-Studie führt diese beiden Länder weit oben. Warum ist das in der Bundesrepublik nicht möglich? Na klar, weil jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht.

Aber bevor ich abschweife – mein Mitgefühl gilt allen ehrlichen Schülern, die nun nochmal die Prüfung schreiben müssen. Ich wünsche euch viel Erfolg und hoffe, dass die Leute gefunden werden, die dafür verantwortlich sind und die entsprechenden Folgen zu spüren bekommen. Wir alle waren oder sind selbst Schüler (gewesen), wir wissen alle, was Prüfungen für Anspannung bedeutet… toi toi toi für eine erfolgreiche Mathe-Prüfung 😉

Nachtrag, 24.06.2008: Für alle, die die Prüfung selber einmal durchmachen möchten, gibt es die Aufgaben beider Prüfungen auf der Seite der Senatsverwaltung: Hier klicken