Es ist später Samstagnachmittag als wir nach 12h Flug in Singapur landen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gefühlte 50 Stunden nicht geschlafen, was mir aber irgendwie egal war. Dank 8 Stunden Zeitunterschied wusste mein Körper eh nicht mehr wo hinten und vorne war. Übrigens sagt man das Reisen in Richtung Osten für den menschlichen Organismus schwerer zu bewältigen sind und man deshalb anfälliger für Jetlag und ähnliche Probleme ist. Ich für meinen Teil muss sagen das mein Körper die Zeitverschiebung bis zur Ankunft in Berlin sehr gut verkraftet hat. Dafür war die Umgewöhnung hier in Berlin umso heftiger. Aber ich schweife ab.

GONG! Wie ein Schlag trifft einen das tropische Klima sobald man aus dem Flieger steigt. Gemütliche 32 Grad im Schatten bei einer Luftfeuchtigkeit von ca. 90%. Dazu der Geruch als hätte jemand vergessen den Feuchtraum mal ordentlich durchzulüften. Das in Kombination mit braunem Teppich im Flughafenterminal hinterließ bei mir einen leicht schimmeligen Ersteindruck. Ganz im Ernst. Einheimische haben uns erzählt das Ihnen aufgrund des aggressiven Klimas zuhause sogar die CD’s im Regal schimmeln wenn sie 2 Wochen mal nicht im Player landen. Wenn man das klimatisierte Terminal verlässt fängt der auf Winter eingestellte, käseweiße deutsche Körper jedenfalls unweigerlich an zu schwitzen wie in einer brennenden finnischen Sauna. Die Einreise (Immigration) war übrigens unkompliziert. Davor hatten wir nämlich die größte Angst. Man darf nicht vergessen, wir hatten neben unseren persönlichen Habseligkeiten das Equipment für eine Liveübertragung (ISDN-Codec, diverse Mikrofone und Aufnahmegeräte, Mischpult, Kabel etc.) in unseren Koffern und wären wahrscheinlich auch als verkappte CIA-Agenten durchgegangen. Gerade im als Polizeistaat verschrienen Singapur waren wir umso überraschter das sowohl die Einreise als auch der Zoll uns problemlos abfertigten. Man hört ja im Vorfeld so Einiges über die doch recht harten Gesetze in Singapur. Zigarettenkippe achtlos weggeworfen und gleich mal für eine Nacht ins Gefängnis! Drogen konsumiert gleich Kopf ab! Kaugummi kauen strengstens verboten! Ich bin meinen jedenfalls am ersten erspähten Mülleimer vorsichtshalber losgeworden. Es ist übrigens nicht verboten! Ausspucken darf man ihn nur nicht. Kaufen kann man sie nirgends. Nur in Apotheken zur Raucherentwöhnung. Abschließend kann man sagen: ja die Gesetze sind sehr streng aber von unmittelbaren Restriktionen bekommt man im normalen Alltag nichts mit. Was man hingegen sieht ist eine Stadt die sauberer nicht sein könnte. Man kann sprichwörtlich von den Gehsteigen essen. Hinzukommt eine überaus ausgeprägte Flora. Die ganze Stadt ist grün. Selbst Autobahnabfahrten sind mit den abenteuerlichsten Blumen bepflanzt, die ganze Stadt präsentiert sich wunderschön.

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Die Pflanzenpflege schafft viele Arbeitsplätze in Singapur

Mit dem Shuttlebus ging es zunächst direkt zum Hotel. Das Marriott Singapur liegt direkt in der Stadtmitte an der Orchard Road der Shoppingmeile Singapurs.

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Das Marriott Singapur an der Orchard Road

Nach einer ersten Redaktionskonferenz in der Hotellobby und anschließender Arbeitsverteilung ging es zunächst auf die Suche nach was Essbarem. Nach einer kurzen Taxifahrt (Achtung: Taxis dürfen nicht per Handzeichen heran gewunken werden, sind aber sehr günstig…wenn man eins findet) suchten wir uns ein Restaurant am Singapur River mit Blick auf das Finanzviertel.

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Blick auf das Finanzviertel, unten rechts die Restaurants

Dort kam es dann auch zur ersten Begegnung mit der Küche Singapurs. Das Singapur ein asiatischer Schmelztiegel mit Bevölkerungsteilen aller asiatischer Anrainerstaaten ist merkt man vor allem an der vielfältigen Küche und den dadurch resultierenden Gerüchen die überall in der Luft liegen. Lecker ist grundsätzlich erst einmal alles. Und scharf. Praktischerweise werden die Speisen in fast allen Restaurants in drei Schärfegrade unterteilt, meist durch entsprechende Symbole auf der Karte gekennzeichnet. Das Wort „mild“ existiert dabei scheinbar in keiner asiatischen Sprache. Da ich gern scharf esse entschied ich mich für Kategorie 2 (2 Peperoniesymbole) oder „a little bit spicy“ wie die Kellnerin es mit einem Lächeln nannte. Was ich bekam sah ungefähr so aus.

scharfes essen
Eine Gericht direkt aus dem Vorhof der Hölle

Was aussieht wie direkt in der Hölle gekocht schmeckte auch so. Höllisch gut aber spätestens ab dem zweiten Löffel auch höllisch schmerzhaft. Wer übrigens der Meinung ist die Schärfe mit ausreichend Bier wegzuspülen zu müssen kann sich auf eine deftige Rechnung gefasst machen. Für ein Glas Bier zahlt man im Schnitt 18 Singapur Dollar umgerechtet etwa 9€! Alkohol ist sehr teuer im Tigerstaat. Nach dem Essen ging es mit grummelndem „Reizmagen“ ins Bett.

Den Sonntag verbrachte ich überwiegend im Hotelzimmer wo ich mit der Vorproduktion mehrerer Beiträge beschäftigt war. So verpasste ich leider die Gelegenheit eine der Sehenswürdigkeiten Singapurs zu besichtigen. Der Singapore Flyer.

singapur flyer
Noch das größte Riesenrad der Welt

Das Riesenrad ist mit 165m im Moment das größte Riesenrad der Welt wird aber schon bald vom Rad in Berlin mit 185m abgelöst. Von ihm aus kann man auch prima den Formel 1 Kurs betrachten der sich momentan noch im Bau befindet und auf dem im Spätsommer das erste Nachtrennen der Formel 1 Geschichte ausgetragen wird.

Insgesamt muss man sagen das Singapur eine wunderschöne, wahnsinnig interessante und sehr europäische Stadt ist. Deshalb ist sie bei uns Mitteleuropäern auch so beliebt. Nirgendwo sonst kann man einen Einblick in den asiatischen Kontinent auf so unkomplizierte Weise erhalten ohne seinen europäischen Lebensstil komplett über Bord zu werfen. Hinzu kommt eine große Familienfreundlichkeit und die kaum vorhandene Kriminalität.

Am Montag hatte wir dann unsere erste Livesendung. Da wir täglich von 6 bis 9 Uhr OnAir gingen ergaben sich für uns aufgrund der Zeitverschiebung stets sehr ungewohnte aber angenehme Arbeitszeiten. Um optimale Arbeitsbedingungen zu haben wurde im Vorfeld der Kontakt zu örtlichen Radiostudios aufgenommen und entsprechende Räumlichkeiten angemietet. In Singapur fanden wir uns in den Studios der BBC Asia ein, die uns herzlich aufnahmen. Ohne einen einzigen Leitungsausfall und mit sehr interessanten Studiogästen brachten wir eine erstaunlich gute Premierensendung hinter uns. Lange Zeit um uns auf unseren Lorbeeren auszuruhen blieb uns allerdings nicht. Noch am selben Abend ging unser Flieger nach Sydney. Ein weiteres Highlight unsere Reise stand uns bevor. Der Flug im A380 dem größten Passagierjet der Welt und mit ihm der Inhalt der nächsten Folge unserer Weltreise…