Ja, ich liebe kryptische Titel. Angefangen hat es Samstag um 6:00 Uhr – oder vor einem Jahr – je nachdem, ob ich mich auf die 300 oder 15.000 beziehe.

Zu den 15.000: Mein gestriger Morgen startete um 6:00 Uhr Morgens – und das an einem freien Tag. Es ging nach Berlin, der Kosten wegen mit einem „Schönes Wochenende Ticket“. 33 Euro durch 4 Leute, da kann man einiges sparen – es kann aber auch mehr kosten, vor allem Nerven. Was wir nicht wussten: Borussia Mönchengladbach hatte am Samstag ein Auswärtsspiel in Berlin – und die Fans waren der Meinung, ebenfalls „unseren“ Zug zu nehmen. Habt ihr schon Fußballfans in Zügen erlebt? Wenn ja, wisst ihr ja, was wir über 4 Stunden erlitten haben. Wenn nein: Fußballfans sind sehr einfallsreich, insbesondere bei ihren Schlachtrufen. Die Anzahl der Schlachtrufe ist dabei so enorm, dass sie es in 90 Minuten Spiel nicht schaffen würden, sie alle zu singen – also tun sie es in den Zügen, stundenlang. Leider geht diese Fähigkeit auf Kosten anderer Fähigkeiten, zum Beispiel der Fähigkeit Schilder zu lesen, insbesondere Rauchverbotsschilder …

In Magdeburg (wo wir umsteigen mussten) überlegten wir uns dann auch, einen späteren Zug zu nehmen. Dazu meinte die Auskunft lediglich: „Nun, im späteren Zug sitzen die Herta-Fans. Die BVB-Fans sind zwar laut, aber harmlos.“ Also blieben wir bei unseren Fans, die uns mittlerweile auch wiedererkannten und Sprüche parat hatten (wir hatten natürlich gleich Werbung für die Piratenpartei gemacht)

15.000 Menschen, die für Freiheit demonstrieren
Nun aber zu dem, was letztes Jahr anfing. Letztes Jahr, am 17.06.2006 fand in Berlin die erste Demo unter dem Titel „Freiheit statt Angst“ statt. Die Anzahl der Teilnehmer konnte ich nicht recherchieren. Am 20. Oktober 2006 waren es auf alle Fälle 300 Menschen, die in Bielefeld für die Sache auf Straße gegangen sind. Am 14.04. in Frankfurt waren es dann schon fast 2.000 (ich hatte in diesem Blog ja davon berichtet). Und dieses mal … Nun, die obige Zahl ist die Schätzung der Veranstalter, die Polizei ging anfänglich von 8.000 aus, hat sich nach Aussage der Medien dann aber nach oben korrigiert. Es werden also wahrscheinlich über 10.000 Menschen gewesen sein – eine wirklich heftige Anzahl von Menschen.

Und wofür traten diese Menschen ein? Für mehr Freiheit, für mehr Ehrlichkeit der Politiker, und vor allem für kompetentere Politiker, die sich auch in den Sachen auskennen, über die sie entscheiden wollen. (Wenn ein Politiker nicht mal weiß, was ein „Browser“ ist, dann ist das ein erschreckendes Armutszeugnis – zumal genau diese Leute über Dinge wie die Vorratsdatenspeicherung entscheiden werden).

Die Piratenpartei auf der Demonstration
Ich war mit meinen bahnfahrenden Mitstreitern zusätzlich zur eigentlichen Demo noch in einem weiteren Auftrag unterwegs. Die niedersächsische Piratenpartei (der ich angehöre), benötigt 2000 Unterschriften von Bürgern aus Niedersachsen, damit sie zur Landtagswahl antreten kann. Und was ist besser dazu geeignet, diese Unterschriften zu sammeln, beziehungsweise den Leuten überhaupt erstmal zu sagen, dass es uns gibt? Richtig, ein Ort, wo sich Menschen versammelt haben, die potentiell die selben Ideen haben wie wir.

Wir haben tausende von Flyern verteilt, viele Gespräche mit Passanten geführt. Und wenn wir auch nur wenige Menschen für unsere Ideen begeistern konnten, ist das ein enormer Gewinn.

Leider kam es während der Demo zu Rangeleien mit der Polizei. Der sogenannte „Schwarze Block“ und die Polizei gerieten aneinander. Welche Seite da den Ausschlag gab, möchte ich nicht beurteilen, da ich nur die Folgen, nicht aber den Ursprung gesehen habe. Ich denke, die Ursache des Konflikts lag nicht an einer Seite alleine. Als ich alleine eine der Reden vom dortigen Lautsprecherwagen hörte, in dem die Verklärung der Terroristen der RAF angeprangert wurde (ich konnte nicht viel verstehen, aber es schien mir, als wenn sie die Aktionen der RAF gutheissen würden), war mir klar, dass wirklich verschiedenste – und auch unterschiedlichste Gruppen an dieser Demo teilnahmen. So war auch ein Wagen der Ärzte dabei, die gegen die neue Patientenkarte demonstrierten, die zu einem gläsernen Patienten führen würde. Was sie genau forderten, könnt ihr ja bei Interesse recherchieren.

Und da kommen wir zum letzten Punkt: Die Berichterstattung. Obwohl 15.000 Menschen auf der Straße waren, hatten es die Hauptnachrichten von ARD und ZDF anscheinend nicht für wichtig empfunden, darüber zur Hauptzeit zu berichten. Lediglich die Spartensender wie der Deutschlandfunk oder Regionalsender wie Radio Brandenburg berichteten ausführlich, die Hauptsender nur vor und nach der sogenannten „Primetime“. Ich finde das erschreckend. Gehören denn die Medien nicht ebenfalls zu den Drangsalierten durch die kommende Totalüberwachung? Sobald die Vorratsdatenspeicherung durch ist, wird es sich ein Informant intensiver überlegen, ob er einen Journalisten anspricht. Denn über einen Zeitraum von 6 Monaten könnten jederzeit sämtliche Telefonate, egal ob Festnetz oder Mobil und auch sämtliche E-Mails (ein- und ausgehend) des Journalisten verfolgt werden, so dass der Informant problemlos überführt werden könnte.

In Anbetracht der Nachrichtenblockade (kann man ja wirklich fast so nennen) finde ich es noch erstaunlicher, dass sich eine so große Masse von Menschen zur Demonstration eingefunden hat. Ich hoffe, dass es bald eine weitere Demo geben wird, die nochmal mehr Personen aktivieren wird.