Erinnert ihr euch? Letzten Sommer nach der Tour de France hatte ich bereits über das Thema Doping im Radsport berichtet. Bei der letztjährigen größten Radsportveranstaltung quer durch Frankreich wurden viele Fahrer aufgrund des Dopingverdachts ausgeschlossen, sogar der Sieger wurde nachträglich disqualifiziert. Somit ist es eigentlich nichts Unbekanntes: Doping im Radsport.

Doch was zurzeit passiert ist ja Wahnsinn! Erst die Sache mit Jan Ullrich. Er soll Kontakte zu einem spanischen Arzt gehabt haben, der ihm Dopingmittel verabreicht hat. Doch Ullrich streitet alles ab, gibt in einer Pressekonferenz seinen Rücktritt bekannt und rechnet mit den Medien ab. Selbst als sich der Verdacht einer Dopingaffäre durch eine DNA-Analyse verhärtet, schweigt der ehemalige Toursieger und beharrt darauf, dass er nie Drogen genommen hat.

Und dann die Sendung Beckmann in der ARD (Mo, 21.05.07). Zu Gast war der ehemalige Radprofi Bert Dietz. Er behauptet, dass es zwischen 1995 und 1998 systematisches Doping beim Team Telekom gab. Selbst als er dann zum Team Nürnberger wechselte, „sei die EPO Versorgung problemlos weitergegangen“. Passagen des Interviews werden teilweise „rausgepiept“ (unkenntlich gemacht). Die Wiederholung(en) der Sendung werden ausgesetzt. Zu heiß das Thema? Das Interview schlägt Wellen, geht durch die gesamte Medienwelt. Dietz belastet zwei Freiburger Uniärzte (Schmid und Heinrich) daran beteiligt gewesen zu sein. Die Beschuldigten erklären sich für schuldig und werden fristlos von der Uniklinik entlassen.

Was aber noch interessanter ist: Plötzlich melden sich diverse ehemalige Radprofis und geben zu, dass was mit Doping gelaufen ist… Alle hatten oder haben mit dem Team Telekom (jetzt Team T-Mobile) zusammen gearbeitet. Betroffene Faher und Ärzte sind Dietrich „Didi“ Thurau, Rolf Aldag, Udo Bölts, Christian Henn und Brian Holm. Sogar ein aktiver Fahrer (Erik Zabel, jetzt bei einem anderen Team) gibt in einer tränenreichen Pressekonferenz die Drogeneinnahme zu. Jetzt hat auch erstmals mit dem Dänen Bjarne Riis ein Tour de France-Sieger die Dopingbeteiligung gestanden. Der Ex-Profi Uwe Raab gibt in einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung bekannt, dass ihm Doping von der Teamleitung angeboten wurde, er jedoch ablehnte, was das Ende seiner Karriere besiegelte. Der rosa Riese im Dopingsumpf?

Hat man es immer geahnt und nun ist es Wirklichkeit? Ist Doping doch tatsächlich ein Synonym für den Radsport? Hat ein nicht gedopter Radprofi überhaupt eine Chance?

Doch wie geht es weiter? Hat das Team T-Mobile eine Zukunft im Radsport? Auf jeden Fall hält es am Radsport fest. Der Imageschaden fürs Team, für den Radsport und für den (deutschen) Sport ist enorm hoch.

Es ist garantiert noch lange nicht das Ende der Enthüllungen abzusehen. Inzwischen überlegen die TV-Sender (ARD und ZDF), ob und inwieweit weiterhin vom Radsport berichtet wird. Selbst die Politik fordert inzwischen einen Stopp der Radsport Übertragungen. Es gibt Vorwürfe der Gebühren-Verschwendung (GEZ Gebühren). Man darf gespannt sein, was noch kommt.

Doping im Radsport

Achso, und was gibt es Neues von Jan Ullrich? Lediglich sein Anwalt erklärte: „Ohne Doping sei Hochleistungssport nicht möglich.“ (Quelle: Spiegel Online). Der Anwalt und Jan Ullrich gehen nun getrennte Wege. Kein Wunder, schließlich ist diese Aussage ja eigentlich ein Schuldeingeständnis von Jan Ullrich. Irgendwann wird auch er was dazu sagen müssen.

Für die Fans natürlich schade: Der Radsport wird einiges ändern müssen, um das Vertrauen der Fans und auch der Sponsoren zurück zu gewinnen – oder ist es etwa schon zu spät? Auch wenn man nicht alles Fahrer über einen Kamm scheren sollte, aber die am Doping beteiligten haben den ehrlichen Sportlern mehr als einen Bärendienst erwiesen…

Nachtrag 25.05.07 19:15 Uhr: Meldung zu Bjarne Riis ergänzt.

Nachtrag 18.07.07 14:00 Uhr: Jetzt läuft die Tour de France und es gibt wieder ein Dopingfall: Sinkewitz aus dem Team T-Mobile wurde positiv getestet. ARD und ZDF zeigen daher keine Tour de France mehr. Diese Entscheidung finde ich gut, zeigt sie doch, dass die Fahrer aus den Diskussionen einfach nix gelernt haben!