Am 14.04.2007 habe ich etwas getan, von dem ich nicht gedacht hätte, dass ich es jemals tun würde – ich habe eine Demonstration besucht, und bin dafür extra mehrere Stunden nach Frankfurt gefahren. Ich gehöre eigentlich eher zu der trägen Masse, die mit der sich vieles machen lässt, die die viel erträgt. Ich meckere zwar hier und dort, beteilige mich aktiv an Diskussionen – aber tätig wurde ich noch nie wirklich. Das hat sich geändert.

Was ist der Ausschlaggrund? Ich habe Angst – Angst davor, dass unsere Freiheit immer mehr eingeschränkt wird, dass unsere Demokratie immer mehr zur Farce wird. Ironischerweise wird die Einschränkung unserer Freiheit gerade damit begründet, dass andere (sprich Terroristen) unseren Staat und damit unsere Freiheit angreifen würden. Letztendlich bedeutet es also, dass die Terroristen genau ihr Ziel erreicht haben – noch bevor sie wirklich aktiv geworden sind.

Ich habe Angst, dass unsere Politiker weit über das Ziel hinausschießen, dass sie geblendet sind von den Möglichkeiten der heutigen Technik und mit Videoüberwachung, Gesichtserkennung, Biometrie, Bundestrojaner und zentraler Datenspeicherung etwas aufbauen, von dem die Stasi begeistert gewesen wäre. Und auch wenn man die Stasi nicht direkt mit BND, MAD und dem Bundesamt für Verfassungsschutz vergleichen kann, da diese auf grundsätzlich demokratischen Strukturen stehen, so kann man dennoch sagen, dass sie alle gemeinsam haben, dass sie ihren eigenen Bürgern grundsätzlich misstrauen (also die Umkehr des Unschuldsprinzips) und dass sie die totale Überwachung in jedem Bereich des Lebens ihrer Bürger anstreben. Mehr dazu findet ihr auf der Demo-Homepage.

Das Publikum der Demonstration war übrigens sehr interessant, was wohl auch an den aufrufenden Organisationen lag, unter anderem waren daran der FoeBuD und der CCC beteiligt. Ich hatte das Gefühl, viele alte Bekannte der Congresse des CCCs zu treffen. Zusätzlich dazu waren aber auch viele andere Personen dabei, insgesamt je nach Darstellung zwischen 1000 und 2000 Personen, die alle ein gemeinsames Ziel hatten – friedlich zu demonstrieren, und es blieb friedlich, die gesamte Zeit über.

Wir kamen gegen 14 Uhr an, da bestand der Haufen noch aus sehr wenigen Menschen, so dass wir (mein Arbeitskollege und ich) befürchteten, dass sich der lange Weg nicht gelohnt hatte. Aber bis zum offiziellen Start um 15 Uhr füllte sich der Bahnhofsvorplatz dann doch mit einer beeindruckenden Menge von Menschen. Einige hatten sich etwas besonderes ausgedacht, wie z.B. einer Verkleidung, aber auch mit teilweise sehr interessanten und bissigen Spruchbändern.
Wer nichts verbrochen hat, hat auch nichts zu verbergen - oder doch?Als dann der Zug losging, war es eine beeindruckend lange Reihe von Personen, die durch Sprüche, Pfeiffen und lautes Rasseln auf sich aufmerksam machten. Insbesondere in der Fußgängerzone informierten wir die Bevölkerung dann durch Flugzettel darüber, was dieser Auflauf zu bedeuten hatte. Auch wenn ich denke, dass ein Großteil der Leute die Informationen ungesehen entsorgt haben, hoffe ich dennoch, dass es einen Teil zum Nachdenken angeregt hat.
Es war eine bemerkenswerte Anzahl von Personen dort
Auf der Abschlusskundgebung an der Frankfurter Paulskirche, der (Zitat von John F.Kennedy) „Wiege der deutschen Demokratie“, wurde unter anderem vom Redner padeluun auf die angestrebte Sammelklage gegen Vorratsdatenspeicherung hingewiesen, an der sich bereits mehrere tausend Bürger beteiligt haben.
padeluun (Mit Anzug und Inlinern) auf der Kundgebung

Zum Ende hin klang es – auch dank des sehr guten Wetters – gemütlich aus, so dass auch die Polizei zufrieden war, denn sie hatten keinen Grund gehabt, einzuschreiten.Ein gemütlicher Ausklang des Tages
Dies war die dritte Demonstration zu diesem Thema. Jedesmal hat sich die Anzahl der Demonstranten verdoppelt. Hoffentlich hat diese Aktion wieder weitere Menschen überzeugt, so dass es beim nächsten Mal 3000 bis 4000 Menschen sein werden, die friedlich für ihr Recht protestieren werden.