Es ist momentan wohl eines der heiß diskutiertesten Themen: Google Street View. Der Internetriese will noch in diesem Jahr diesen Dienst auch für Deutschland starten und den Leuten die Möglichkeit bieten, die 20 größten deutschen Städte in einer Straßenansicht zu begutachten.

Was in anderen Ländern schon Gang und Gebe ist, wird nun in Deutschland diskutiert: Ist Google Street View nützlich oder eher gefährlich?

Was ist Google Street View überhaupt?
Wenn es um Google Street View geht, dann reden wir von einer umfangreichen Erweiterung des Kartendienstes Google Maps. Mit Google Maps ist es möglich, Orte in Form von Karten (wie der klassische Stadtplan) oder Satellitenbildern anzeigen zu lassen. Auch für die Routenplanung ist Google Maps super geeignet.

Google Street View erweitert nun diesen Dienst und ermöglicht eine Darstellung der Straßen in einer 360 Grad Ansicht. Dazu hat Google vor einigen Monaten das Gebiet der 20 größten deutschen Städte mit speziellen Autos durchquert, auf denen deverse Kameras befestigt waren, die die Gegenden in einer 360 Grad Perpektive aufgezeichnet haben. Die vielen Daten wurden nun aufbereitet und sollen in Kürze für alle zur Verfügung stehen in Google Street View.

In Amerika gibt es Street View schon eine ganze Weile, auch europäische Städte sind bereits in Street View zu finden. So kann man schon jetzt Städte wie Paris, Rom oder Zürich in einer 360 Grad Perspektive am heimischen PC anschauen, zum Beispiel vor dem geplanten Urlaub. Man hat die Möglichkeit direkt vor dem Eiffelturm zu stehen oder um ihn herum zu navigieren, als wenn man direkt vor Ort wäre. Auch wenn man einen Termin in einer Straße hat, wo man noch nie war, kann man sich vorher die Gegen anschauen und findet dann das Ziel leichter.

Klingt doch alles toll oder?

Widerstand in Deutschland?
In Deutschland spielen die Medien eine große Rolle und daher ist das Thema Google Street View in diesen Tagen auch in aller Munde. Ist es nur Panikmache oder ist Google Street View wirklich so gefährlich, wie es durch die Medien suggeriert wird? Ängste wie „kann man mich beim Zähneputzen im Badezimmer sehen?“ oder „Weiß man jetzt, dass meine Schwiegermutter zu Besuch da war?“ sind aus meiner Sicht unbegründet. Ein Blick auf ein paar Straßen mit Google Street View zeigt viele Personen, die gerade zufällig durch die Straßen laufen, zeigt das tägliche Geschehen in Geschäften, aber Einblicke in Wohnhäuser sind eigentlich nicht möglich. Hat man Gardinen am Fenster, sollten ein Blick in die eigenen vier Wände naherzu unmöglich sein.

Jeder Bürger hat laut Google die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen und damit seine Adresse in Street View unkenntlich zu machen. Das eigenen Haus oder der eigenen Garten ist dann nur verpixelt zu erkennen, so dass Details nicht mehr sichtbar sind.

Doch wo ist der Unterschied, wenn ein Kamerateam eines Fernsehsenders in der Stadt ist und einen Bericht dreht und wir zufällig durchs Bild laufen? Es sind doch öffentliche Plätze, Sehenswürdigkeiten und große Straßen, die Google Street View anzeigt. Ich denke, genau das ist die Intension von Google Street View. Mein Garten in einer Nebenstraße wird sicherlich nicht vorrangig von Google aufgenommen.

Warum erst jetzt die Aufregung?
Wie schon angesprochen gibt es bereits seit Längerem Google Maps (oder auch den Konkurrenten Bing Maps von Microsoft). Damit ist es schon seit Jahren möglich, sehr detaillierte Ansichten von Ortschaften zu erhalten. Habe ich einen Garten mit Pool, bin ich garantiert schon lange im Internet bei diesen Diensten zu sehen. Doch warum hat sich darüber noch Niemand aufgeregt? Ist das nicht auch Privatsphäre? Wenn ich durch die Straßen laufe, dann habe ich sicherlich das Recht an meinem Bild/Foto, jedoch bin ich auch öffentlichem Gelände.

Fazit
Ich persönlich bin gespannt auf Google Street View in Deutschland. Natürlich bin ich neugierig, ob und wie meine Straße dort zu sehen ist. Da ich nicht in den unteren Etagen eines Wohnhauses wohne, ist die „Gefahr“ für mich recht gering, dass meine Wohnung zu erkennen sein wird.
Wer dennoch Bedenken gegen Google Street View hat, kann noch in den nächsten Wochen Einspruch einlegen. Das geht ganz einfach, in dem man in Google Maps auf seine Adresse geht und einen Antrag auf Unkenntlichmachung stellt. Das geht nur für ganze Adressen. Also wenn ein Mieter deines Hauses diesen Antrag stellt, dann ist das ganze Haus unkenntlich.

Aufgrund der Möglichkeiten, die Google Street View bietet und auch der Chance, dass man seinen Einwand darlegen kann, sollte sich die Aufregung um den neuen Dienst von Google doch in Grenzen halten. Aber auf jeden Fall sollte man sich noch einmal die Vor- und Nachteile von Google Street View durch den Kopf gehen lassen, bevor man einen Einspruch einlegt. Ich jedenfalls freue mich auf die neue Möglichkeit, Gegenden in Deutschland noch besser am PC erkunden zu können. Ihr auch? Stimmt bei der Umfrage ab oder schreibt uns eure Meinung zu Google Street View.

Update 21.10.2010:
Nachdem die Widerspruchsfrist vor dem Start von Google Street View beendet ist, hat Google nun erste Zahlen vorgelegt. Knapp 245000 Einsprüche wurden gegen die Veröffentlichung von Häusern in Form von Fotografien eingelegt. Laut Google sind das nicht einmal 3 % aller betroffenen Einwohner der Städte, die zuerst in Street View zu sehen sein werden. Ich persönlich halte die Zahl auch für sehr gering. Aber das zeigt, wie sehr das Thema vor allem medial hochgekocht wurde und letztendlich alles halb so wild zu sein scheint. Umfragen sprachen laut tagesschau.de noch von knapp 50 Prozent, die Einspruch gegen Google Street View einlegen wollten.

Umfrage - Ergebnisse
Google Street View
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Ich freue mich auf Google Street View für Deutschland.
53%
Ich bin mir noch unsicher, was Google Street View angeht.
29%
Ich finde Google Street View sehr bedenkenswert.
18%